Was steht an im neuen Jahr?
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Interview mit Joachim Rukwied
Der Ackerbauer mit Feldgemüse und Weinbau in Eberstadt (Landkreis Heilbronn) vertritt die Interessen der Landwirte als Präsident des Landes- (LBV), Deutschen (DBV) und europäischen Bauernverbandes (COPA).
Das Gespräch wurde am 17. Dezember 2018 in Stuttgart geführt.
Was steht an im neuen Jahr?
BWagrar: Herr Rukwied, die Unternehmensergebnisse der Haupterwerbsbetriebe in Baden-Württemberg haben sich im Durchschnitt im Wirtschaftsjahr 2017/18 auf niedrigem Niveau erholt (BWagrar 51-52/2018, Seite 10). Sie machen sich dennoch Sorgen. Warum?
Rukwied: Ich mache mir in vielerlei Hinsicht Sorgen.
- Zum einen sind wir beim Einkommen nach wie vor Schlusslicht in Deutschland.
- Zum zweiten geben mir die unterschiedlichen Entwicklungen zu denken. Wir haben einen deutlichen Ergebnisrückgang bei den Veredlungsbetrieben. Wir haben frostbedingt einen Rückgang bei den Obst- und Weinbauern. Im Weinbau hoffen wir auf Besserung im laufenden Jahr.
„Wir stehen vor großen Herausforderungen politischer Art, gerade auch im Schweinesektor.“
Insgesamt stehen wir vor großen Herausforderungen politischer Art, gerade auch im Schweinesektor. Hier kommt beispielsweise der Rückgang im Konsum hinzu. Zugleich die Erhöhung der Produktion wie in Spanien oder Polen. Das alles ist marktbelastend.
BWagrar: Wie ist die Entwicklung an den Märkten?
Rukwied: Im Getreidesektor hat sich der Preis stabilisiert. Wir liegen hier etwa 20 Euro je Tonne über Vorjahr. Weh tut insbesondere der deutlich niedrigere Ertrag bei den Zuckerrüben. Wir erwarten etwa 25 Prozent weniger Zuckerertrag als im Vorjahr. Der Zuckerpreis ist in der EU und am Weltmarkt im Keller.
In der Veredlung besteht nach wie vor Preisdruck, extrem bei Ferkeln. Der Preis für Schlachtschweine liegt unter Vorjahr und noch deutlicher unter dem Niveau von vor zwei Jahren.
Beim Obst haben wir eine gute Ernte eingefahren. Damit verbunden sind die Preise unter Druck. Es ist die spannende Frage, wie es am Ende unter dem Strich aussieht.
Beim Wein bin ich hinsichtlich der Qualität hoffnungsfroh. Wir haben eine sehr gute Ernte eingefahren und hoffen, die Top-Qualität entsprechend vermarkten zu können.
Bei der Milch liegen wir im Preis unter Vorjahresniveau. Aber wir hoffen, das in der zweiten Hälfte des Wirtschaftsjahres, also im ersten Halbjahr 2019, noch ausgleichen zu können. Insgesamt haben wir hier eher eine Seitwärtsbewegung.
Die Schlachtpreise für Rinder und Kühe liegen etwas unter dem Niveau des Vorjahres.
BWagrar: Wie ist die Marktlage im ökologischen Landbau?
Rukwied: Die Öko-Betriebe stehen einkommensmäßig an der Spitze. Die Öko-Förderung trägt natürlich erheblich zu dem guten Ergebnis bei. Ich würde mir wünschen, dass dieses Ergebnis marktgetragen wäre und wir entsprechend höhere Preise hätten.
„Ich habe nicht das geringste Verständnis für die Blockadehaltung, die manche in der Politik Tätigen bei der steuerfreien Risikoausgleichsrücklage haben.“
BWagrar: Welche Forderungen erheben Sie zur Stärkung des Risikomanagements?
Rukwied: Zuvorderst die Einführung einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage. Ich habe nicht das geringste Verständnis für die Blockadehaltung, die manche in der Politik Tätigen hier haben.
Wir können keine Rücklagen einstellen, wie es in Unternehmen anderer Branchen möglich ist. Für uns ist das unabdingbar! Wir haben die Preisrisiken, wir haben die Witterungsrisiken und wir leben in einem offenen Markt. Das unterscheidet uns auch von einem örtlichen Gastronomen oder Handwerker.
BWagrar: Was sind die Folgen des Brexit für die Landwirtschaft?
Rukwied: Wenn es zum Brexit kommt, fehlen zehn bis zwölf Milliarden Euro jährlich im EU-Haushalt. Deshalb sind statt derzeit 1,0 Prozent künftig Zahlungen nach Brüssel von 1,2 plus x Prozent des Bruttonationaleinkommens notwendig. Haushaltskommissar Günther Oettinger schlägt 1,1 plus x Prozent vor, das Europaparlament 1,3 Prozent.
„Ich hoffe, über das EU-Budget wird noch vor der Europawahl im Mai 2019 entschieden. Wir brauchen Stabilität und Planungssicherheit!“
BWagrar: Wird noch vor der Europawahl im Mai 2019 das Haushaltsbudget der EU verabschiedet?
Rukwied: Ich hoffe es! Europa und die Landwirte brauchen Planungssicherheit und Stabilität. Keiner weiß, wie sich das neue Parlament zusammensetzt, keiner weiß, wer Kommissar wird.
BWagrar: Welche drei wesentlichen Herausforderungen stehen für den Berufsstand im neuen Jahr an?
Rukwied: Drei wesentliche Herausforderungen sind:
- Die politischen Herausforderungen in ihrer ganzen Palette.
- Die gesellschaftspolitischen Diskussionen.
- Und das tagtägliche Geschäft der Landwirte, im Markt, im Wettbewerb zu bestehen und mit der Witterung umgehen zu können.




