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Berliner Milchforum

Volatile Märkte und steigende Kosten

Über 500 Teilnehmende und Aussteller kamen zum 16. Berliner Milchforum unter dem Motto „Klare Ziele. Neue Wege. Starke Milch.“ zusammen, um über aktuelle Entwicklungen der Branche zu diskutieren.
von Redaktion Erschienen am 16.03.2026
Schulterschluss: DBV-Milchpräsident Karsten Schmal (l.) und der MIV-Vorsitzende Detlef Latka wollen die deutsche Milchwirtschaft gemeinsam stärken. © Milchindustrie-Verband e. V. (MIV)

Der MIV-Vorsitzende Detlef Latka betonte zum Auftakt des zweiten Tages, dass die weltpolitische Lage derzeit schwer vorhersehbar sei. Besonders der neu eskalierte Konflikt im Nahen Osten werde auch Folgen für die deutsche und europäische Milchwirtschaft haben. Stark volatile, steigende Energiepreise würden die Molkereien direkt in ihrer Kostenstruktur treffen und werden sich auch in steigenden Produktpreisen wiederfinden. Und: Behinderungen in den internationalen Warenströmen führten zu gestiegenen Frachtraten für Seetransporte.

Drastischer Einbruch der Erzeugerpreise

Im Fokus des Milchforums stand der drastische Rückgang der Milcherzeugerpreise seit dem Herbst 2025. Seitdem ist die wirtschaftliche Lage auf vielen Höfen angespannt. DBV-Milchpräsident Karsten Schmal sprach von einem historischen Rückgang um 13 bis 14 Cent pro kg und nannte vor allem zu hohe Milchmengen als Ursache. Entsprechend diskutierte man intensiv darüber, wie sich solche Marktentwicklungen künftig vermeiden beziehungsweise besser vorhersehen lassen. Zwar deuten erste Marktsignale auf eine Erholung der Milchpreise hin. Börsendaten der EEX in Leipzig sowie steigende Preise für Milchprodukte auf der Global Dairy Trade Plattform in Neuseeland seien Anzeichen dafür. Noch allerdings ist der Preisdruck in Deutschland hoch. Die Milchmengen sind immer noch nicht signifikant gesunken. Zur besseren Planung- und Mengensteuerung möchte die Branche verstärkt digitale und KI-gestützte Vorhersagemodelle einsetzen. Daten aus HIT-Tier und aus den Besamungsmeldungen könnten künftig mit herangezogen werden. Aktuell jedoch decken die Erlöse auf den Milchviehbetrieben nicht mehr die Kosten. Es drohen Liquiditätsengpässe auf vielen Betrieben. Um diese zu verhindern, fordert Schmal eine Risikoausgleichsrücklage. Damit könnten Gewinne besser zwischen guten und schlechten Jahren ausglichen werden.

Preisabsicherung an der Börse

Zur Risikominimierung gegen Preisschwankungen empfiehlt Schmal die Absicherung von Milchpreisen an der Börse. Er berichtete von eigenen Erfahrungen mit solchen Preisabsicherungen. Ende September 2025 zum Beispiel sicherte er bei seiner Molkerei Hochwald den Preis für ein Drittel seiner Anlieferungsmilch für die Monate Januar, Februar und März 2026 bei 38,3 Cent pro Kilogramm ab. Inzwischen liege der Auszahlungspreis tatsächlich unter diesem Preis. Das Absichern hat sich für Schmal in diesem Fall also gelohnt. Er verhehlt aber nicht, dass er in anderen Fällen auch schon falsch gelegen habe. Bemerkenswert sei, dass sich zum Zeitpunkt Ende September 2025, als der Milchpreis noch über 50 Cent lag, lediglich 14 der rund 2000 Hochwald-Lieferanten für eine solche Absicherung entschieden hätten. In Ländern wie den USA gehöre das Preismanagement längst zum landwirtschaftlichen Alltag, der Blick auf die Milchpreise sei mindestens genauso wichtig wie das Füttern der Kühe, hieß es. In Deutschland hingegen betrachteten viele Landwirte dieses Instrument zur Preisoptimierung. Tatsächlich gehe es jedoch um eine Art Versicherung gegen extreme Marktschwankungen. Gleichzeitig räumte Schmal ein, dass sich nicht die gesamte deutsche Milchmenge über die Börse absichern lässt, da die gehandelten Volumina dafür viel zu gering seien.

Keine starren Milchlieferverträge

Der Bauernverband unterstützt die Exportstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, mit der hochwertige deutsche Milchprodukte stärker international vermarktet werden sollen. Skeptisch bleiben DBV, MIV und DRV jedoch gegenüber dem Paragraf 148 der Gemeinsamen Marktordnung (GMO). Laut Karsten Schmal habe die Branche gezeigt, dass sie Preis- und Lieferbeziehungen innerhalb der Wertschöpfungskette besser selbst regeln könne. Die unlängst im Trilog (EU-Rat, -Parlament und -Kommission) erzielten vorläufigen Ergebnisse zu Artikel 148 bewertet man gemischt. Positiv seien laut MIV-Vorsitzendem Detlef Latka nationale Opt-out-Möglichkeiten für Mitgliedstaaten sowie Vereinfachungen für Genossenschaften. Gleichzeitig blieben Fragen offen, etwa zur Revisionsklausel. Latka betonte, dass es in Deutschland Verträge zwischen Molkereien und Milcherzeugern längst gebe und der Staat sich aus deren Inhalten heraushalten sollte. Im EU-Vergleich zeigte sich, dass zum Beispiel Frankreichs starre Milchlieferverträge zu Preisen führten, die zwei bis fünf Cent unter dem deutschen Niveau liegen. Das flexiblere deutsche System biete trotz höherer Risiken langfristig Vorteile, wie Auswertungen gezeigt hätten. Etwa 70?Prozent der deutschen Milch werden über Genossenschaften vermarktet, die den Landwirten gehören und ihnen Mitspracherechte sichern.

Wettbewerbsfähigkeit verbessert sich

Das seit Dezember deutlich niedrigere Preisniveau habe den Konsum von Milch und Milchprodukten stimuliert und die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Handel erhöht. Die Preisentwicklungen bei Notierungen und Börsen deuten für wesentliche Marktsegmente wie Magermilchpulver und Butter eine Erholung an. „Wir vertrauen auf den Markt, die Gesetze von Angebot und Nachfrage wirken und aus Sicht des MIV ist es daher nicht zielführend, seitens der EU durch die Anwendung einer Entschädigung für Lieferverzicht nach Art. 219 GMO hier einzugreifen“, führte der MIV-Vorsitzende dazu aus.

Im konstruktiven Dialog mit dem LEH

Die Teilnehmer des Forums bewerteten den verbesserten Dialog mit dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) positiv, da rund die Hälfte der Milchprodukte über den Handel verkauft wird und enge Abstimmung wichtig ist. Einen Lichtblick geben die Zahlen der privaten Nachfrage für Milchprodukte. So ist der Absatz im deutschen Lebensmitteleinzelhandel über alle Kategorien hinweg gestiegen. Selbst Trinkmilch (+0,5 %) konnte ihr Vorjahresergebnis halten, getragen durch einen starken Zuwachs bei der Biomilch (+5,1 %). Der Butterabsatz steigerte sich in den letzten Monaten 2025 auf fast +9 % auf Monatsbasis, angeheizt durch immer neue Niedrigpreise im Handelsmarkenbereich. In Summe steht auch hier ein Plus von 2,1 %. Ein konstant hohes Zuwachsniveau konnte die Kategorie Quark erzielen mit einem Jahresergebnis von +7,4 %. Die für den Gesamtmarkt wichtigste Kategorie Käse konnte mit +2,5 % wieder zulegen, rund 1,15 Mio. Tonnen Käse wurden in Richtung Verbraucher abgesetzt.

Schmal fordert mehr neue Milchviehställe

Der Stallbau stellt die Milchbranche vor große Herausforderungen. Laut Schmal werde deutlich zu wenig investiert und zu wenig neue Ställe gebaut. Lange Genehmigungsverfahren und stark gestiegene Kosten – über fünf Millionen Euro für einen 200-Kühe-Stall – hemmen Investitionen, obwohl dringend neue Milchviehställe benötigt werden, berichtete Schmal. Langfristig bleibt die Perspektive für die Branche jedoch positiv. Weltweit wächst die Nachfrage nach tierischem Eiweiß weiter – ein Trend, von dem auch die deutsche Milchwirtschaft profitieren könnte.

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