VG schärft ihr Profil
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Die Vieherzeuger-Gemeinschaft eG (VG), Stuttgart, hat 2014 ihre Position gestärkt. Bei schwierigem Markt steigerte sie die Viehumsätze, erzielte ein zufriedenstellendes Ergebnis und verbesserte die Eigenkapitalbasis. Das erklärte Vorstandsvorsitzender Dr. Reinhard Funk bei der VG-Vertreterversammlung am 1. Juli 2015 in Leonberg (Landkreis Böblingen).
Stückzahlen in der Vermarktung gesteigert
Die VG/VZ-Gruppe steigerte im Geschäftsjahr 2014 die Stückzahlen in der Vermarktung. „Das ist dem Engagement unserer Mitglieder zu verdanken, welche diese Umsätze erwirtschaftet haben“, betont Funk. Die regionale Herkunft gewinnt am Markt an Bedeutung, meint der Vorstandsvorsitzende. Er sieht die VG im Verbund mit der Viehzentrale Südwest GmbH (VZ) und den angeschlossenen Unternehmen der Gruppe „für die Zukunft gut gerüstet“.
Mehr Mittel für Tierwohl nötig
Die VG hat 2014 ihr Profil „als bäuerlicher genossenschaftlicher Verbund“ weiter geschärft. Das erklärt Geschäftsführer Dr. Rainer Pflugfelder. Mit neuen Dienstleistungen vergrößert die VG/VZ-Firmengruppe ihr Angebot. So wird ein neues Qualitätsprogramm für Milchviehhalter aufgelegt. Im vergangenen Jahr war bereits das Instrument der Rückvergütung eingeführt worden.
Die Verschmelzung der Agrar Service GmbH mit der Viehzentrale Südwest GmbH (VZ), an der die VG zu 79,5 Prozent beteiligt ist, wurde vorbereitet und wird im Sommer abgeschlossen.
Sorge um Konzentration in der Schlachtbranche
„Mit Sorge betrachten wir die weitere Konzentration in der Schlachtbranche“, bekennt der Geschäftsführer. Dasselbe gelte für den Einstieg der Tönnies-Gruppe in das Viehhandelsgeschäft.
Die auf Freiwilligkeit beruhende „Initiative Tierwohl“ zeige die enorme Bereitschaft der Landwirte, mehr Tierschutz zu praktizieren. Es „ist notwendig, die Mittel aufzustocken, um allen Interessenten die Teilnahme zu ermöglichen“, greift Pflugfelder die Forderung von LBV-Vizepräsident Klaus Mugele auf.
Mugele, auch Vorsitzender des LBV-Fachausschusses Vieh und Fleisch, zeigt sich in seinem Grußwort über Kollegen aus Nordwestdeutschland erstaunt. Er meint, es sei „heute unmöglich festzulegen, wann ein Verzicht auf Schwänzekupieren in der Praxis stattfinden kann“. Für ihn zeigen sich Verbraucherwünsche beim täglichen Einkauf. Platz für „kostspielige Sonderwünsche“ sieht Mugele angesichts des von der überwiegenden Mehrheit praktizierten Einkaufsverhaltens nicht.
„Wir müssen uns in Baden-Württemberg noch stärker in Richtung Premium-Produkten bewegen. Dabei hoffe ich auf gute Zusammenarbeit.“ Das erklärte Ministerialdirektor Wolfgang Reimer in seinem Grußwort.
„Die Vermögens- und Finanzlage der VG ist gut geordnet“, zitiert Aufsichtsratsvorsitzender Harald Rabausch aus dem Prüfungsbericht. Die Geschäftsentwicklung sei zufriedenstellend.
Tierhaltung intensiv diskutiert
Mehr Tierschutz ist notwendig. Denn es gebe „Defizite in der Tierhaltung“, wie zu wenig Platz und zu wenig Spielmöglichkeiten, erklärt Prof. Dr. Harald Grethe, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).
Rein wirtschaftliche Betrachtungen müssten um gesellschaftliche Einschätzungen ergänzt werden. Dabei seien Zielkonflikte abzuwägen, zum Beispiel mit dem Umweltschutz. Der Beirat fordere in seinem Gutachten „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“ gerade nicht ausschließlich Freilandhaltung, sondern Auslaufmöglichkeiten. Zudem stehen die landwirtschaftlichen Unternehmen im internationalen Wettbewerb.
Drei Optionen für mehr Tierschutz
Drei Optionen nennt Grethe, wie mehr Tierschutz bezahlt werden könnte:
- 20 bis 30 Prozent der Verbraucher wären bereit, für Tierschutz mehr zu bezahlen; sie könnten mit verpflichtender Kennzeichnung erreicht werden.
- Bei der Brancheninitiative Tierwohl werden alle Konsumenten herangezogen; hier seien die finanziellen Mittel deutlich zu erhöhen.
- Verwendung von Steuermitteln. Grethe plädiert für die stärkere Verlagerung von Geld aus der Ersten in die Zweite Säule der EU-Agrarpolitik.
Grethes Vortrag löst eine intensive Diskussion aus. Einige Stimmen:
LBV-Vizepräsident Hans-Benno Wichert: „Viele Bereiche sind zu beachten, nicht nur Tierschutz. Wir müssen auf die Motivation der Nutztierhalter aufpassen. Die Forderung nach Sachkundenachweis kommt nicht besonders gut an.“
Dr. Reinhard Funk: „Bisher gibt es keine wissenschaftliche Lösung für den Ersatz des Schwänzekupierens.“
Milchviehhalter Thomas Zimmerer aus Bad Saulgau: „Die Bauern zahlen die Zeche. Die Verbraucher bezahlen nämlich nur das, was im Supermarkt auf dem Preisschild steht.“
Dr. Reinhard Funk: „Mir ist das Wort ‚Tierwohl‘ in der Debatte zu dominant. Prof. Grethe hat kein Wort zu den Ansprüchen der Nutztierhalter gesagt. Wir brauchen mehr Wertschöpfung an der Ladentheke. Selbstverständlich müssen wir auch selbst nach Verbesserungen suchen und uns am Markt orientieren.“
Viehzentrale stärkt Eigenkapitalbasis
Die Viehzentrale Südwest GmbH (VZ), Stuttgart, vermarktete 2014 mit 2,942 (2013: 2,802) Mio. Tieren 5,0 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Umsatzerlöse sanken um 5,4 Prozent auf 443,2 (468,5) Mio. Euro. Der Rückgang beim Rohertrag wurde durch Kosteneinsparungen teilweise aufgefangen. Der Jahresüberschuss verringerte sich um 24,3 Prozent auf 0,705 (0,931) Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote stieg auf 42,4 (36,4) Prozent. Das Anlagevermögen ist vollständig durch eigene Mittel finanziert. Die Umsatzrentabilität betrug 0,3 (0,4) Prozent, die Gesamtkapitalrentabilität 4,1 (4,6) Prozent.
Die Geschäftsleitung schlägt dem Aufsichtsrat vor, die Dividende auf acht (fünf) Prozent zu erhöhen. Der restliche Jahresüberschuss von 0,465 Mio. Euro soll in die Rücklagen eingestellt werden.
Unternehmenszahlen
VG-Daten aus dem Geschäftsjahr 2014 anbei.





















