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Landessortenversuche 2025

Wetteifern der Gerstensorten

Der Sommergerstenanbau ging 2025 erneut deutlich zurück, die Erträge überzeugten jedoch auf ganzer Linie. Gute Aussaatbedingungen und überwiegend geringer Krankheitsdruck sorgten vielerorts für vitale Bestände. Die Landessortenversuche zeigen hohe Ertragsniveaus und eine sehr gute Braugerstenqualität trotz regionaler Trockenstressphasen.
von Maria Müller-Belami, LTZ Augustenberg Erschienen am 09.02.2026
Der Infektionsdruck war 2025 für die Sommergerste gering. Die dominierende Krankheit war Ramularia, gefolgt von Rhynchosporium und Netzflecken. © Maria Müller-Belami

Sommergerste erfuhr 2025 erneut einen signifikanten Rückgang: Auf 52.800 ha der landwirtschaftlichen Fläche bauten die Betriebe Sommergerste an. Das entspricht einer Flächenreduzierung von circa 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dagegen fiel die Ernte erfreulich aus. Mit durchschnittlich 62 dt/ha lag der Ertrag deutlich über dem langjährigen Mittel von 55 dt/ha. Sommergerstenversuche werden in zwei Intensitäten angelegt, der reduzierten Variante V1 mit Verzicht auf Halmverkürzer und Fungizide und der integrierten, ortsüblichen Variante V2. Die Aussaat der LSV-Sommergersten erfolgte Mitte bis Ende März bei durchweg guten Bedingungen. Entsprechend zügig und homogen war der Aufgang. Im April kam es zu stärkeren Schwankungen der Tag-Nachttemperaturen, was die Jugendentwicklung der Bestände vorübergehend ausbremste. An den Standorten, an denen der Regen rechtzeitig und ausgiebig fiel, beschleunigte sich dann die Vegetation wegen der hohen Temperaturen sehr schnell und die Gerste entwickelte sich prächtig.

© Maria Müller-Belami, LTZ Augustenberg

Gesunde Gerstenversuche

Der Infektionsdruck war insgesamt gering. Die dominierende Krankheit war Ramularia, gefolgt von Rhynchosporium und Netzflecken. Lager und Ährenknicken traten selten auf. Bei Halmknicken gab es sortenspezifische Unterschiede. An den Standorten, wo das Wasser in den entscheidenden Wachstumsphasen fehlte, blieben die Bestände kurz mit auffallend geringen Bestandesdichten. Bönnigheim konnte aufgrund der anhaltenden Trockenheit sowie starkem Wildfraß nicht gewertet werden. Verrechnet wurden 2025 neun Prüfsorten über sechs Standorte: Der Durchschnittsertrag in der unbehandelten Variante lag bei 75 dt/ha (Vorjahr: 53 dt/ha), in der integrierten Variante bei 78 dt/ha (Vorjahr: 60 dt/ha). Ertragsstärkster Standort war Boxberg mit ausgezeichneten 93 dt/ha (V1) beziehungsweise 103 dt/ha (V2). Die Qualitäten für Braugerste 2025 erfüllten die Anforderungen der aufnehmenden Hand in vollem Umfang: Die durchschnittliche Sortierung (Vollgerstenanteil > 2,5 mm) lag bei 94 Prozent, der Rohproteingehalt bei 11,2 Prozent (in TM Prozent Korn). Einen Rückgang von 10 Prozent gab es bei den Vermehrungsflächen mit insgesamt 1.040 ha. Vermehrungsstärkste Sorte war nach wie vor Amidala (420 ha), allerdings mit abnehmender Tendenz, gefolgt von Lexy (320 ha) und LG Caruso (110 ha).

© Maria Müller-Belami, LTZ Augustenberg

Gerstensorten vorgestellt

Empfehlungssorten

Die Empfehlungssorten 2026 des LTZ Augustenberg und der Landesbraugerstengemeinschaft Baden-Württemberg sind Amidala, Lexy und LG Caruso.

Amidala: Amidala ist in Baden-Württemberg aufgrund der Korn- und Malzqualitäten nach wie vor die Nummer 1 im Braugerstenanbau. Beim Korn- und Vollgerstenertrag bildet Amidala dagegen ein- und mehrjährig das Schlusslicht. 2025 präsentiert sich die Sorte strohstabil und durchschnittlich gesund mit zuweilen Anfälligkeiten für Ramularia. Schwächen gibt es bei der Ährenstabilität. Wegen geringer Bestockungsneigung empfiehlt der Züchter eine erhöhte Aussaatstärke.

Bounty: Die Sommergerste Bounty überzeugt auch im zweiten LSV-Jahr mit ihrem hohen Ertragspotenzial. Bei der Stroh- und Ährenstabilität sowie bei der Blattgesundheit zeigt Bounty umfassend durchschnittliche Werte. Die Gerste punktet mit einem sehr hohen Vollgerstenanteil.

Excalibur: Die mittelfrühe Sommerbraugerste Excalibur erzielt im ersten Prüfjahr an einigen Standorten hohe Ertragsleistungen und gute Qualitäten. Die Resistenzeigenschaften sind durchschnittlich, standortbedingt zum Teil unterdurchschnittlich. Agronomisch ist die sehr kurzstrohige Sorte gut aufgestellt bis auf eine unzureichende Halmstabilität. Excalibur erhielt 2025 vom Sortengremium eine Empfehlung für die Praxisversuche (Berliner Programm).

Lexy: Über die Prüfjahre und Varianten liefert die Sorte Lexy Korn- und Vollgerstenerträge um den Durchschnitt. Die Blattgesundheit ist solide, die Agronomie ist, bis auf eine leichte Tendenz zu Lager, zufriedenstellend. Die Sortierungen sind etwas schwächer einzustufen. Das Hektolitergewicht 2025 liegt sehr hoch.

LG Baryton: Die Neuzulassung LG Baryton kann im ersten Prüfjahr das hoch eingeschätzte Ertragspotenzial nicht ganz erfüllen. Die agronomischen Eigenschaften der sehr kurzstrohigen Gerste sind sehr gut, Blattgesundheit und Kornqualität liegen im Mittelfeld. Beachtlich ist die gute Sortierung bei mehr als 2,8 mm Korngröße. 2025 erhielt die Sorte eine Empfehlung für die Praxisversuche.

LG Caruso: Über die Prüfjahre und Varianten zeigt die Sorte LG Caruso eine Ertragskonstanz auf höchstem Niveau. Stroh- und Ährenstabilität sind überdurchschnittlich gut. Die etwas später reifende Sorte hat ein gutes und ausgewogenes Gesundheitsprofil. Bei der Kornqualität ist LG Caruso etwas schwächer als die Konkurrenz einzuschätzen.

Ostara: Die 2025 zur Verarbeitung empfohlene Braugerste Ostara bewegt sich ein- und mehrjährig bei Korn- und Vollgerstenertrag nur leicht über dem Niveau von Amidala. Die Kornqualitäten sind beachtlich: sehr hohe Tausendkornmasse und gute Sortierungen. Ostara zeigt sich 2025 mit leichten Standschwierigkeiten sowie einer Anfälligkeit für Rhynchosporium. Die frühe Sorte neigt bei Nachtfrösten überdurchschnittlich zu Laternenblütigkeit.

RGT Planet: Die langjährig geprüfte RGT Planet bringt nach wie vor Ertragsleistungen um den Durchschnitt, kann aber mit den Hochleistungssorten, vor allem in V1, nicht mehr mithalten. Strohstabilität und Gesundheit lassen ebenfalls nach. Positiv sind der vergleichsweise geringe Ramulariabefall und die stabilen Ähren. Die Kornqualität ist unterdurchschnittlich.

Sting: Die Sommergerste Sting zeigt 2025 und mehrjährig ihr gutes Ertragsvermögen und überzeugt auch bei den Kornqualitäten. Schwachpunkte der Sorte sind fehlende Halm- und Ährenstabilität sowie eine erhöhte Rhynchosporiumanfälligkeit. 2025 bleibt die Braugerste allerdings agronomisch und bei den Krankheiten unauffällig.

© Maria Müller-Belami, LTZ Augustenberg
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