
Den Hof aus der Ferne steuern
Andreas Dörr, Geschäftsleiter der Doerr Agrar in Thüringen, verfolgt das Ziel, schrittweise einen „digitalen Zwilling“ des Betriebs zu erstellen. Informationen über die 232 Schläge sollen für alle Mitarbeiter verfügbar sein. Alle relevanten Daten sind mobil auf Traktor, Smartphone oder Tablet abrufbar und können in Echtzeit vor Ort angepasst werden.
Tankstellen, Wasserfässer und Getreidelager beispielsweise lassen sich per App oder Kamerasystem überwachen. Dörr kann Lieferanten per Smartphone das Hoftor öffnen, ohne vor Ort zu sein. Der Geschäftsleiter nutzt selbst erstellte Apps, etwa zur Lagerverwaltung. Geplant sind eine autonome Drohne, die das Monitoring von Mäuseschäden übernimmt, sowie ein neues System zur Pacht- und Flächenverwaltung. Für Routineaufgaben empfehlt Dörr den Einsatz von Sprachmodellen wie ChatGPT, betont jedoch, dass KI gezielt angelernt werden müsse, um sinnvoll zu unterstützen.
Drohne, um Mäuseschäden zu erkennen
Eike Hunze arbeitet bei der DSV im Bereich Phänotypisierung, womit die Analyse des Erscheinungsbildes von Pflanzen gemeint ist. Da die Entwicklung einer Sorte laut Experten viele Jahre dauert, seien innovative Technologien für einen stetigen Züchtungsfortschritt wichtig. Die Feldversuche würden mithilfe von GIS-Systemen (Geo-Informationssysteme) geplant, um Tausende von Parzellen exakt anzulegen und zu bewirtschaften.
Hochaufgelöste Drohnendaten ermöglichen dem Experten zufolge eine präzise Erfassung von Merkmalen wie Bedeckungsgrad, Blühbeginn und Pflanzenlänge sowie deren lückenlose Dokumentation. Die gewonnenen Daten würden die Züchter bei der Selektion und Weiterentwicklung des Materials unterstützen.
App erkennt Dünger
Stefan Kiefer von der Firma Amazone stellte „EasyMatch“ vor, eine KI-basierte Düngererkennung per App mit automatischer Einstellempfehlung für den Düngerstreuer. Beim „AutoSpread“ werde der Streuer anhand des realen Streubildes automatisch und verlustfrei eingestellt. In Entwicklung sei das neue System „SoilDetect“, das mithilfe des Grubbers ermittelter Bodendaten und KI künftig fundierte Bodenanalysen und Handlungsempfehlungen ermöglichen solle.
„Strategische Entscheidungen wird immer ein Mensch treffen.“ Stefan Kiefer, Amazone
Kiefers Fazit: „Strategische Entscheidungen wird immer ein Mensch treffen.“ Allerdings spiele Künstliche Intelligenz bei allen Entwicklungen eine große Rolle und werde diese beschleunigen. Dabei werde die Digitalisierung in der Landwirtschaft hinsichtlich des Managements, des Komforts, der Ökologie wie auch der Ökonomie immer interessanter.
KI-Chatbot der Landwirtschaftskammer NRW
Dr. Gregor Heine und Thomas Ludwicki von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen stellten einen einjährigen B-Weizen-Anbauversuch vor, in dem Pflanzenbauberater gegen die Anbauempfehlungen der Künstlichen Intelligenz antraten. Die Berater lagen am Ende im erzielten Ertrag und im Wirtschaftlichkeitsvergleich leicht vorn, während die KI Erträge auf einem angemessenen Niveau erzielte. Die Referenten betonten, dass die KI das Fachwissen und die Erfahrung von Beratern nicht ersetzen könne. Für die Zukunft kündigten sie einen eigenen KI-Chatbot der Landwirtschaftskammer NRW an, der sich derzeit in Entwicklung befinde und künftig Routinefragen rechtssicher und tagesaktuell beantworten solle.
Tobias Philipp, Vertriebsleiter der DSV, ergänzte: „Die DSV sieht ihre Stärke als Pflanzenzüchter in der Entwicklung innovativer Sorten und in der Bereitstellung intelligenter Anbausysteme für eine ökonomische Fruchtfolge.“

