Mit einer Sektorstrategie in die Milchzukunft
Die aktuellen und kommenden Herausforderungen auf dem Milchmarkt erfordern gemeinsame Anstrengungen aller Akteure des Sektors. Das wurde aus den Vorträgen bei der Fachtagung „Strategien zur Zukunftssicherung des heimischen Milchsektors“ des Landesbauernverbandes (LBV) am Dienstag, 20. Februar 2019, im oberschwäbischen Bad Buchau deutlich.
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Milchbauer und LBV-Vizepräsident Gerhard Glaser erklärte im Hinblick auf die DBV-Strategie 2030 zur Zukunft der heimischen Milchbranche, dass es gelingen müsse, die Wettbewerbsfähigkeit der Milchproduktion im globalen Marktumfeld zu erhalten, die Wertschöpfung der Erzeuger zu erhöhen, Produktionsrisiken wie stark schwankende Milchpreise zu meistern und die gesellschaftliche Akzeptanz einer modernen Milchproduktion langfristig zu sichern.
Trends werden fortgeschrieben
Die dazu erforderlichen Aktivitäten müssen nach Einschätzung Glasers in Zusammenarbeit aller Beteiligten das Ziel verfolgen, den Sektor zukunftsorientiert aufzustellen. Im Rahmen einer Strategie 2030 sei auch zu klären, mit welchen Verbandsstrukturen der deutsche Milchsektor in Zukunft gegenüber Politik und Marktpartnern seine Interessen vertreten soll.
Bei der Definition einer Sektorstrategie Milch geht der Bauernverband davon aus, so Glaser, dass sich die wesentlichen agrarpolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre in naher Zukunft nicht grundsätzlich ändern. Dazu gehört die zunehmende Öffnung des europäischen und globalen Milchmarktes, die Verringerung staatlicher Eingriffe, der Abschluss bilateraler Handelsabkommen und das Wachstum der globalen Erzeugungsmenge. Auch im Inland würden der Produktivitätszuwachs und damit der Strukturwandel anhalten. Um den Wandel zu begleiten und Strukturbrüche zu vermeiden, sollten Investitionen gefördert und Stallbauten im Außenbereich ermöglicht werden.
Wertschöpfung kann besser werden
Eine Branchenorganisation Milch könnte nach Ansicht des LBV-Vizepräsidenten dazu beitragen, die Wertschöpfung beim Erzeuger zu stärken. Seinen Angaben zufolge haben die deutschen Milchbauern in den zurückliegenden drei Jahren im Durchschnitt rund ein Cent pro Kilo weniger Milchgeld erhalten als ihre Berufskollegen in Dänemark, Frankreich oder den Niederlanden. Daraus errechne sich ein Wertschöpfungspotenzial von jährlich mehr als 300 Millionen Euro, was für die Molkereien Ansatzpunkte biete, über dessen Mobilisierung nachzudenken.
Defiziterkennung und Zukunftsstrategien für den wirtschaftlichen Erfolg blieben in der Verantwortung jedes einzelnen Unternehmens, stellte Glaser klar. Sie könnten jedoch durch gemeinsame Aktivitäten innerhalb der Branche und deren Begleitung durch staatliche Institutionen unterstützt werden. Mit einer gemeinsamen Branchenorganisation ließen sich allgemeingültige Produktionsstandards definieren, ein Gegengewicht zur Marktmacht des Einzelhandels etablieren und die finanziellen Mittel der EU zur Absatzförderung gezielter Nutzen. Auch müssten Erzeugergemeinschaften ihre Vermarktung stärker bündeln.
Fantasie in der Vertragsgestaltung
Um Produktionsrisiken wie volatile Milchpreise aufzufangen gilt es laut Glaser, die Anlieferungsmengen nachfrageorientiert zwischen Molkerei und Erzeuger verbindlich abzustimmen. Preisrisiken würden derzeit ausschließlich von den Milchbauern geschultert. Deshalb seien die Molkereien aufgefordert, zusammen mit ihren Erzeugern Modelle für den Umgang mit Preisrisiken (Festpreisvereinbarungen oder die Nutzung von Warenterminbörsen) umzusetzen. So könnten die Erzeugerpreise für einen höheren Anteil der Rohmilch über mehrere Monate abgesichert werden. Bei krisenhafter Marktentwicklung sollten zudem differenzierte Auszahlungspreise als Anreiz zur Mengenanpassung zielorientiert diskutiert werden.
Die Molkereien sind aufgefordert, Milchmengen und Marktrisiken effizienter zu managen, um künftige Risiken besser zu beherrschen, sagte Glaser. Genossenschaftlich organisierte Milchwerke hätten über ihre Satzungen und Milchlieferordnungen sowie über bilaterale Verträge die Instrumente in der Hand, um auf veränderte Marktsituationen reagieren zu können. Eine staatliche Einheitslösungen sei in diesem Zusammenhang nicht erforderlich. Ziel des Milchsektors müsse es vielmehr sein, durch eine zeitgemäße Gestaltung der Lieferbeziehungen Schwankungen am Markt zu begegnen.
Um die Akzeptanz einer modernen Milchproduktion zu sichern, ist für den LBV-Vize eine bundesweit einheitliche Kommunikation der Branche unerlässlich. In diesem Zusammenhang gelte es einerseits, Qualitätsstandards wie QM gemeinsam zu definieren und durchzusetzen sowie andererseits, Importe denselben Standards zu unterwerfen.
Heimische Milchwirtschaft ist wettbewerbsfähig
Dr. Johannes Klaus vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband sieht die einheimische genossenschaftliche Milchwirtschaft für die Zukunft gerüstet. Er begründete diese Aussage mit einem wettbewerbsfähigen Milchpreis, der Vermeidung von Investitionsstaus, einer wachsenden Eigenkapitalbasis sowie einer klaren strategischen Ausrichtung. Mehr Wertschöpfung ließe sich aus seiner Sicht mit einem höheren Zusatznutzen der Produkte mittels Spezialitäten, Markenbildung oder höherer Prozessqualität erzielen – Ansatzpunkte, für die Verbraucher bereit sind, mehr zu bezahlen und die höhere Markterlöse versprechen.
Wie beschränkt Nischenmärkte sind, zeige sich am Biossektor. Dieser habe lediglich einen Anteil zwischen zwei und vier Prozent am Gesamtmarkt und müsse gleichzeitig intensiv bearbeitet werden. Entscheidend seien Effektivität, Effizienz und strategische Ausrichtung der Unternehmen. Die Wettbewerbssituation innerhalb der Branche lässt sich nach seiner Ansicht nicht auflösen. Denkbar sei eine engere Zusammenarbeit beispielsweise beim Export. Klaus befürwortete einen intensiveren Dialog innerhalb der Branche, wobei eine Sektorstrategie der richtige Ansatz sei. Eine separate Branchenorganisation beurteilte er dagegen skeptisch.
Auf einen vielfältigen Markt reagieren
Von der Wirksamkeit einer übergeordneten Branchenorganisation ist auch Dr. Markus Albrecht, Geschäftsführer beim Milchwirtschaftlichen Verein, nicht überzeugt. Er sieht die Milchwirtschaft zu inhomogen aufgestellt. Die Unternehmen würden auch in Zukunft ganz unterschiedliche Konzepte der Wertschöpfung verfolgen. Einen Bedarf sieht Dr. Albrecht am ehesten bei Aufgaben, die früher von CMA und ZMP wahrgenommen wurden.
Als Trends im deutschen Markt sieht er abnehmende Konsummengen durch den demographischen Wandel und sich ändernde Verzehrsgewohnheiten. Ideologien und NGO´s würden zu einem Imageverlust beziehungsweise zu besonderen Anforderungen (Tierschutz) führen und auch der Handel mache mit „kreativen Konditionen“ oder der Ausrichtung auf Forderungen von NGO´s zunehmend Probleme.





