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Bauerntag Karlsruhe

Neue GAP, Marktmacht und Pflanzenbau

Der 22. Bauerntag des Kreisbauernverbands Karlsruhe bot einen Überblick über die künftige EU-Agrarpolitik, die Machtverhältnisse in der Lebensmittellieferkette und die Zukunft des Pflanzenbaus.
von Guido Krisam Erschienen am 30.01.2026
Dr. Nadine Hahn sprach beim Bauerntag in Karlsruhe über das Gutachten der Monopolkommission zum Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette. © Guido Krisam

Der Kreisvorsitzende Helmut Jäger und Landwirtschaftsamtsleiter Frederik Euler führten durch das anspruchsvolle Programm mit vier Fachvorträgen. Dr. Konrad Rühl (Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz) erklärte den aktuellen Entwurf der EU-Kommission für die GAP nach 2028. Die bisherige Säulenstruktur soll durch nationale und regionale Partnerschaftspläne ersetzt werden. Die Mitgliedstaaten erhalten ein Gesamtbudget, aus dem rund 300 Mrd. € für die Landwirtschaft vorgesehen sind. Rühl erläuterte das Vier-Rubriken-Modell (Partnerschaftspläne, Wettbewerbsfonds, Außenpolitik, Verwaltung) und betonte, dass die Einkommensgrundstützung erhalten bleibt und bestehende Förderprogramme weitergeführt werden können. Degressive Zahlungen und die Kappung großer Betriebsprämien seien noch unklar, doch er sprach sich dafür aus, die ersten Hektar großzügig zu berücksichtigen. In der Diskussion moderiert von Amtsleiter Frederik Euler warnten Betriebsleiter vor Nachteilen für wachsende Betriebe; andere fragten nach Freihandel und Bürokratie. Rühl versprach, die Sperrfristen zu flexibilisieren und den neuen Förderrahmen in Berlin zu vertreten.

Marktmacht des Einzelhandels

Nach der Kaffeepause präsentierte Dr. Nadine Hahn das Sondergutachten zum Wettbewerb in der Lebenmittellieferkette der Monopolkommission. Die Monopolkommission ist ein unabhängiges Beratungsgremium der Bundesregierung in Wettbewerbs- und Regulierungsfragen. Hahn erklärte, dass die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel und Teilen der Nahrungsmittelindustrie erheblich zugenommen habe. Vier Händler – Edeka, Rewe, Schwarz/Lidl und Aldi – kontrollieren etwa 85?% des Marktes. Die Analyse warnt vor steigenden Margen entlang der Kette, während Milch- und Fleischbetriebe kaum profitieren. Die Kommission fordert schärfere Fusionskontrollen, konsequentes Vorgehen gegen Missbrauch und eine stärkere Ausrichtung der Agrarpolitik an Produktivität und Nachhaltigkeit. Hahn betonte, dass die Stellschrauben zur Stärkung der Landwirtschaft vor allem auf der Kostenseite liegen: Bürokratie abbauen, kosteneffiziente Produktion fördern und Subventionen nach Produktivität und Innovation ausrichten. Sie erinnerte daran, dass die Betriebe viele Auflagen erfüllen und zugleich mit Wetter- und Preisschwankungen zurechtkommen müssen.

Raketen und Federn

Hahn schilderte anhand der Lieferketten für Milch, Fleisch und Getreide, wie Subventionen in nachgelagerten Stufen versickern und der Handel über eigene Fleischwerke vertikal integriert ist. Ökonomen sprechen bei asymmetrischer Preisweitergabe von einem „Rocket-Feather-Effekt“. Er beschreibt, dass sich Preise bei steigenden Inputkosten schnell erhöhen, bei sinkenden Kosten jedoch verzögert sinken. Solche asymmetrischen Anpassungen sind auch in der Lebensmittelkette zu beobachten und waren Teil der Analyse zu Preissignalen und Marktverhalten.

Das Gutachten der Monopolkommission stützt sich auf das Testbetriebsnetz als repräsentative Betriebsdatenquelle. Zweite Quelle ist das AFiD-Panel mit Kennzahlen aus der Industrie. Für den Einzelhandel wurden Orbis-Unternehmensdaten genutzt; diese seien aggregiert und nicht vollständig repräsentativ. Offizielle Statistiken ergänzten die Datengrundlage der Studie. In der Diskussion brachte ein Obst- und Gemüseproduzent seine Sorge vor Repressalien bei einer Beschwerde wegen unfairer Praktiken zum Ausdruck. Hahn schlug eine Ombudsperson vor, an die sich Landwirte anonym wenden könnten. Auf die Frage nach dem Unterschied zwischen Monopol und Kartell antwortete sie, ein Monopol sei die alleinige Marktbeherrschung, während im Kartell mehrere Anbieter Preise absprechen. Sie gab zu, dass die Monopolkommission politische Entscheidungen nicht erzwingen könne, appellierte aber an die Politik, aus den Empfehlungen zu lernen.

Stadt und Landwirtschaft kooperieren

Bruchsals Oberbürgermeister Sven Weigt den Landwirten kurz für ihren Einsatz und mahnte zur Zusammenarbeit. Er verwies auf regionale Herausforderungen wie den Flächenverbrauch und versprach, die Kooperation zwischen Stadt und Landwirtschaft zu vertiefen. Am Nachmittag rückte der Pflanzenbau in den Fokus. Dr. Andreas Maier vom Regierungspräsidium Karlsruhe stellte die Chancen und Grenzen des integrierten Pflanzenschutzes. Abschließend war die Pflanzenzüchtung im Zwiespalt der Anforderungen Thema.

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