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Gülleausbringung

Mit dem Gülleschlauch in den entlegensten Winkel

Die Gülleverschlauchung ermöglicht eine frühe, effiziente, kostengünstige und bodenschonende Gülleausbringung auf arrondiertem Grünland.
von Ulrike Amler Erschienen am 18.02.2026
Mit seinem nur 2,6 t schweren Reform Metrac und einem 7-Meter-Schleppschlauchverteiler kann Benedikt Himmelsbach aus Schuttertal frühzeitig Gülle ausbringen, ohne Strukturschäden auf dem feuchten Grünland zu hinterlassen. © Ulrike Amler

Der Spezialschlepper mit Schlauchspindel, Schleppschlauchverteiler und der Pumpe steht huckepack auf dem Anhänger. Mit seinem Traktorgespann kommt Benedikt Himmelsbach am frühen Vormittag auf den Hof seines Kollegen Josef Fehrenbacher. „Damit es schneller geht“, beschreibt er lachend die sechseinhalb Kilometer zwischen beiden Betrieben in der Gemeinde Schuttertal im Ortenaukreis. Himmelsbach soll auf dem Winterbauernhof die Gülle von 35 Fleckviehkühen und deren Nachzucht auf dem hofnahen Grünland ausbringen. Immer wieder hatte zuvor Regen die Ausbringung verzögert.

Fehrenbacher baut rasch die Exzenterschneckenpumpe des Dienstleisters an seinen Traktor auf der Güllegrube. Mit ihr füllt er später die Gülleschläuche von Benedikt Himmelsbachs Schleppschlauchverteiler. Beide wollen an diesem Vormittag rund 9 Hektar (ha) meist flaches, teilweise aber auch steiles Grünland hinter dem Schwarzwaldhof mit Nährstoffen versorgen. Die Mähweiden stehen Mitte März kurz vor dem Frühjahrsaustrieb. Fehrenbach setzt seit 2024 auf die Dienstleistung seines Kollegen mit den leichten Spezialmaschinen.

Bodenfeuchte bremst die Ausbringung

Um in den entlegenen Bereich der Flächen zu gelangen, müsste er stets mit seinem vollen Güllefass mit 5400 Litern Fassungsvermögen rund 800 Meter (m) über das feuchte Grünland fahren, oder wie er es bislang praktiziert hat, eine Verdolung des parallel fließenden Mühlbaches in 650 m Entfernung zur Überfahrt nutzen. „Die langen Straßenfahrten kosten mich viel Zeit und Diesel“, erklärt Fehrenbach. „Mit dem eigenen Güllefass könnte ich bei den aktuellen Bodenverhältnissen frühestens in vierzehn Tagen auf die Fläche fahren“, weiß der Landwirt aus Erfahrung.

Durch die Gülleverschlauchung kämen die Nährstoffe rechtzeitig in den Bestand, denn das Gras warte mit dem Wachstum nicht, bis der Boden befahrbar sei. Ströme im Frühjahr erst die warme Luft aus dem Rheintal ins Schuttertal, schreite die Vegetationsentwicklung rasch voran.

Das Gemeindegebiet sei aufgrund der bergigen Flächen weitgehend von der bodennahen Gülleausbringung befreit, aber „was nützt es, wenn die Futterverschmutzung durch die späte Befahrbarkeit mit dem Breitverteiler zunimmt“, fügt Fehrenbacher an. Ziel sei ein früher erster Schnitt für gute Futterqualität und einen schnellen Folgeaufwuchs. Denn später weiden die Milchkühe und das Jungvieh auf den arrondierten Flächen des Weidemilchbetriebes.

Benedikt Himmelsbach (r.) bespricht mit Josef Fehrenbacher, wie die Ausbringung auf den 9 ha Grünland des Winterbauernhofs erfolgen soll.
Benedikt Himmelsbach (r.) bespricht mit Josef Fehrenbacher, wie die Ausbringung auf den 9 ha Grünland des Winterbauernhofs erfolgen soll. © Ulrike Amler

Leichtes Gerät für steiles Gelände

Mittlerweile hat Benedikt Himmelsbach seinen Reform Metrac H7 RX mit 71 PS abgeladen. Der Geräteträger hat ein Leergewicht von 2,6 t, die Schlauchspindel im Frontanbau wiegt voll rund 800 kg, im Betrieb noch rund 100 kg. Den Schleppschlauchverteiler, einen Hadorn Spider Compact mit sieben Metern Arbeitsbreite, hat der Landwirt seit 2008 im Einsatz. Er habe damals den Prototyp beim Hersteller angesehen und gleich bestellt, so Himmelsbach.

Zusammen schließen beide den Schlauch an der Pumpe an. Dieser erhält im Übergang von der Betonabdeckung der Güllegrube zur Wiese eine Schutzunterlage gegen die Reibung, die durch die Vibration der Pumpe entsteht. Die aufgerührte Gülle hat eine sehr gute Fließfähigkeit. „Im Schwarzwald ist die Gülleverdünnung üblich“, erklärt Himmelsbach. Sie dringe besser in den Boden ein.

Auf dem eigenen Betrieb, einem Gemeinschaftsstall mit Milchvieh, den Himmelsbach mit drei weiteren Kollegen seit 23 Jahren betreibt, arbeite er seit jeher mit Gülle unter 5 % Trockensubstanz und füge je nach TS-Gehalt Wasser aus der Reinigung des Melkstands oder Dachwasser über den Spaltenboden hinzu. Mit dem Güllefass wäre es jedoch teuer, Wasser spazieren zu fahren, fügt der er an.

Die Verdünnung der Gülle ist bei der Verschlauchung kostengünstiger, weil ein hoher Durchfluss weniger Arbeits- und Schlepperstunden benötigt. Die Ausbringung von 100 m3 dicker Gülle könne teurer sein als die von 150 m3 verdünnter Gülle, rechnet Himmelsbach vor. Allerdings lohne sich das nicht mit teurem Wasser aus dem Trinkwassernetz.

Himmelsbach rechnet nach Aufwand ab. Die Abrechnung setzt sich aus den Kosten für den Geräteträger, Verteiler, Schlauch und Pumpe zusammen. Hinzu kommen die Arbeitskosten und eine Anfahrtspauschale. Mit dem kleinen Lohnunternehmen kann Himmelsbach seine Spezialmaschine auslasten.

Dünne Gülle für hohe Pumpenleistung

Der Pumpenverschleiß sei hoch, weil die Tiere in den Weidebetrieben viel Sand mit in den Stall trügen. Betonteile aus den Spalten seien Gift für die Pumpe, ebenso wie eine Kraftfutterschaufel, die das Gerät auch schon zum Stehen gebracht habe. „Ich benötige für mehrere tausend Euro Verschleiß- und Ersatzteile im Jahr“, berichtet der Dienstleister.

Sowohl Schläuche wie auch die Pumpe und der Schleppschlauchverteiler benötigen eine sehr fließfähige Gülle, um hohe Leistungen zu erbringen. Bei maximaler Pumpenleistung fließen bis zu 60 m3 Gülle pro Stunde durch den Verteiler, abhängig von der Länge des Schlauches und den Höhenunterschieden sowie der Fließfähigkeit der Gülle.

So kommt Himmelsbach auf eine Tagesleistung von bis zu 380 m3 Gülle. „Diese Menge schaffe ich auf Flächen wie der von Josef Fehrenbacher. Sind es aber kleinere Schläge, große Höhenunterschiede, Geländehindernisse oder viele kleine Zipfel, muss ich den Schlauch häufig umlegen und bin entsprechend langsamer“, erklärt er. Im Schnitt sind es kaum mehr als 150 bis 300 m3 am Tag. Seine Kunden lassen Himmelsbach zwischen 50 und 800 m3 Gülle ausbringen.

Spezialist für Hangneigungen bis 40 %

Mit seiner Kombination aus Metrac und Schleppschlauchverteiler bezwingt der Landwirt bis 40 % Hangneigung. Das zeigt er auf dem steil ansteigenden Stück Weide direkt hinter dem Stall. Schwierig werde es in extremen Steillagen. Auf solchen Flächen gibt Himmelsbach weiterhin dem Breitverteiler den Vorzug, ebenso wenn die Gülle nicht homogen ist. Während des Betriebs den Verteiler zu wechseln, mache keinen Sinn, erklärt er.

Ein automatischer Hangausgleich im Fahrersitz stabilisiert den Fahrer in einer vertikalen Sitzposition. Auf dem wendigen Allrad-Geräteträger hat Himmelsbach Niederdruck-Terrareifen montiert, die im feuchten Boden einen guten Grip habe und keine Spuren hinterlassen. Die leichte Maschinenkombi lenkt er mit viel Geschick längs zum Hang, ohne dabei „abzuschmieren“.

Bei dünner Gülle kann Himmelsbach mit bis zu 900 m Schlauchlänge arbeiten, bei dicker Gülle ist bei 300 m Länge das Limit erreicht. Auf dem Betrieb Fehrenbacher kommt der Lohnunternehmer mit seiner Spezialmaschine bis in den entlegensten Winkel der Fläche – dorthin, wo selbst Josef Fehrenbacher aufgrund der Hangneigung mit dem Güllefass nur bei besten Bodenbedingungen fahren kann.

800 km Gülleschläuche verlegt

Im ersten Arbeitsgang rollt Benedikt Himmelsbach den 900 m langen Schlauch von der Spindel der Länge nach ab. Hier kommt seine Erfahrung aus 30 Jahren Gülleverschlauchung zum Tragen: „Ich sehe bei dieser ersten Überfahrt schon, wo das Gelände Schwierigkeiten machen könnte. Das können nasse Stellen sein, auf denen ich mich nicht festfahren darf, aber auch Zaunpfosten, Bäume, Gräben, Absätze und Felsbrocken, die dem Schlauch schaden könnten.“

Zurück am Ausgangspunkt stellt Josef Fehrenbacher die Zapfwellenpumpe an und der Schlauch füllt sich Meter um Meter mit Gülle. Mit einem Schmunzeln erzählt Himmelsbach, dass er in den 30 Jahren Gülleverschlauchung über 800 km Schlauch ausgelegt habe. Das entspreche etwa der Strecke von Schuttertal bis Hamburg.

Nach rund 30 Minuten Rüstzeit startet der Dienstleister mit der Gülleausbringung. Die Bahnen folgen einem Muster, dass Himmelsbach beim Ausrollen bereits im Kopf entworfen hat. Auch Umlegen kostet Zeit, Kraftstoff und damit Geld. Zügig zieht er seine Bahnen, während die Gülle gleichmäßig auf 7 m Breite aus den Schläuchen strömt.

Der Schlauch ist prall gefüllt. Bis 40 bar hält ein neuer Spezialschlauch aus Nitril aus. Der Betriebsdruck der Pumpe beträgt maximal 16 bar. Der glatte Schlauch gleitet mit wenig Reibung über die Fläche. Die Zugfestigkeit der Spezialschläuche gewährleistet eine Gewebeeinlage. Kupplungen des Storz-Systems aus einer hochwertigen Speziallegierung und NBS-Dichtungen verbinden den Schlauch mit dem Schleppschlauchverteiler und der Güllepumpe. Im Betrieb müssen sie Zugkräfte von 2 bis 3 Tonnen aushalten.

Geringe Futterverschmutzung

Benedikt Himmelsbach schätzt die Vorteile seines Schleppschlauchverteilers. „Durch die fließfähige Gülle habe ich keine Güllewürste und keine Futterverschmutzung. Auf unserem gemeinsamen Betrieb haben wir die Kühe im Sommer schon nach zwei Tagen mit etwas Niederschlag nach der Güllegabe wieder auf die Weiden gelassen und die Tiere haben überall gefressen“, teilt er seine Erfahrung.

Ein Schleppschuhverteiler sei laut Himmelsbach im bergigen Gelände weniger komfortabel. Er müsse doch gelegentlich auch mal rückwärtsfahren und ein solches Gerät jedes Mal komplett ausheben.

Himmelsbach möchte die Aufträge flott abarbeiten. Er habe deshalb auch keine Kunden mit Güllezubringer. „Mit 900 Metern Schlauch komme ich fast überall hin“, ist der Lohnunternehmer überzeugt. Für Josef Fehrenbacher heißt das aber, dass er die Flächen auf der anderen Talseite, getrennt von einer Straße, weiterhin mit dem eigenen Güllefass anfahren muss – in frühestens vierzehn Tagen, wenn das Wetter mitmacht.

Betriebsdaten
  • Vogtbenedikthof – Benedikt Himmelsbach: Himmelsbach ist Gesellschafter in der Rinderhaltergemeinschaft Schuttertal GbR, einer Bio-Milchviehhaltung im Gemeinschaftsstall mit 70 Milchkühen und zusammen 82 ha Grünland, davon 38 ha mit über 25 % Hangneigung. Den Vogtbenedikthof im Michelbrunn, Gemeinde Schuttertal, mit 19 ha Grünland und 45 ha Wald bewirtschaftet der Landwirt im Zuerwerb. Mit seiner Spezialmaschine bringt Himmelsbach im Umkreis von 35 km Gülle für mehrere Betriebe aus. Die Familie vermietet drei Ferienwohnungen.
  • Winterbauernhof – Josef Fehrenbacher: Der Betrieb Fehrenbacher in Schuttertal-Obertal hält 35 Milchkühe mit Nachzucht. Der Landwirt bewirtschaftet 23 ha Grünland und 60 ha Wald im Vollerwerb. Die erste Güllegabe auf den hofnahen Flächen lässt Fehrenbacher seit 2024 vom Kollegen ausbringen.
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