
Wölfe abwehren – ja oder nein?

Das Forschungsteam analysierte Antworten von 353 Personen aus einer Online-Umfrage unter Haltern von Weidetieren in Bayern. Dabei stützten es sich auf die „Theorie des geplanten Verhaltens“. Ob jemand etwas tut oder nicht, hängt danach in erster Linie davon ab, wie stark die Person zu dem Verhalten entschlossen ist. Ihre Absicht wird dabei von drei Faktoren beeinflusst: der persönlichen Einstellung („Halte ich es für sinnvoll?“), dem sozialen Druck („Wie steht mein Umfeld dazu?“) und der empfundenen Kontrolle („Kann ich es umsetzen?“). Die größte Rolle spielt bei allen Maßnahmen zum Herdenschutz das soziale Umfeld. „Es ist daher wichtig, dass Landwirtinnen und Landwirte Beispiele für erfolgreiche Weidehaltung in Wolfsgebieten kennenlernen und untereinander Wissen und Erfahrungen austauschen“, betont Dr. Friederike Riesch, Erstautorin der Studie aus der Abteilung Graslandwissenschaft der Universität Göttingen. Finanzielle Unterstützung kann zusätzliche Anreize schaffen: Bayern fördert „wolfsabweisende“ Zäune und Herdenschutzhunde rund um die Reviere standorttreuer Wölfe. Tierhalter in solchen Zonen sind stärker gewillt, Zäune aufzustellen. Am höchsten ist die Absicht dabei unter denjenigen, deren Weidetiere unmittelbar im Wolfsgebiet stehen. Sie müssen nämlich einen Grundschutz vorweisen, um Ausgleichszahlungen für Schäden durch Wölfe zu erhalten. „Subventionen begünstigen den Einsatz von Herdenschutzmaßnahmen. Demnach ist es empfehlenswert, die Förderung wolfsabweisender Zäune auf das gesamte Bundesland auszuweiten“, erklärt Dr. Malte Möck, Zweitautor vom Fachgebiet Agrar- und Ernährungspolitik der Humboldt-Universität zu Berlin. Auf die Absicht, Hunde zum Schutz der Weidetiere einzusetzen, hat die Förderkulisse der Umfrage zufolge hingegen keinen Einfluss. Die damit verbundenen Herausforderungen seien mit finanziellen Mitteln nicht zu lösen, schließen die Forschenden.



